Zeit ist, was verhindert, dass alles auf einmal passiert.
John A. Wheeler, US-Physiker

In der Seele sind wir viele Generationen, denn viele Menschen haben dazu beigetragen, dass heute ein Mensch da ist und lebt, mit all seinen Besonderheiten und Seinszusammenhängen. Denken wir nur daran, dass jeder von uns zwei Eltern hat, vier Großeltern, acht Ururgroßeltern, um nur die letzten drei Generationen zu nennen. Das Leben kommt durch viele Personen und von weit her. Und es bewegt sich weiter in jedem, der jetzt hier ist.

Im Rahmen einer Aufstellung öffnet sich für kurz ein zeitloser Raum. Darin macht sich ein inneres Bild der wichtigen Personen der Ursprungs- oder Gegenwartsfamilie oder der Partnerschaft nach außen sichtbar.
Wer mit einem Anliegen zum Klären kommt, wählt dazu aus der Gruppe für sich und andere Familienmitglieder StellvertreterInnen aus und stellt sie in Beziehung zueinander. Es kann auch sein, dass ich einen Vorschlag mache, wer oder was am besten ausgewählt werden könnte, zum Beispiel ein Symptom, eine Lebenssituation, ein Herzenswunsch oder ein Thema, das zwar gespürt, aber nicht näher benannt werden kann.

Was in Beziehung verletzt wurde, will auch in Beziehung wieder geheilt sein.
Im so eröffneten Raum, dem 'wissenden Feld', spüren die StellvertreterInnen körperlich und emotional die Wirkungen ihres Platzes in der Familie oder dem aufgestellten Zusammenhang, auch ohne jemals von den betreffenden Personen und Ereignissen erfahren zu haben. Ohne besondere Vorkenntnisse bewegen sie sich von innen heraus geführt, das heißt ohne Schauspielerei. Dabei kommen oft generationsübergreifende Bindungen ans Licht, aus denen unbewusst unglückliche Beziehungen und Verstrickungen entstanden sind, schwere Folgeschicksale, Symptome, Krankheit und sogar Todesbereitschaft.

Das Übernehmen fremder Gefühle, etwa Schuld und Scham oder Einsamkeit und Wut, auch unbewusste Verhaltenswiederholungen, mittels derer sich ausgeschlossene Personen und Ereignisse anzeigen, treten hervor und können auf respektvolle Weise gelöst werden. In meiner Erfahrung ist dieselbe Liebe, die ein Symptom hervorbringt, meist auch in der Lage, es wieder aufzulösen. Was in Beziehung verletzt wurde, will auch in Beziehung wieder geheilt sein. Dazu müssen aber nicht die ursprünglich beteiligten Personen anwesend sein.

Das Wirken der Unendlichkeit in uns
Die Aufstellung bietet dazu Lösungswege an. Dies kann bedeuten, dass alle Personen und Ereignisse, die dazu gehören, nun ihren gemäßen Platz erhalten im Ganzen und somit geehrt und gewürdigt sind. Ist nichts mehr ausgeschlossen, wird oft eine spontane Erleichterung und ein Energiezuwachs gespürt und ein lange ersehntes Gefühl von Vollständigkeit. Damit einhergehend zeigen sich häufig auch langfristig positive Auswirkungen für den Aufstellenden – und wunderbarerweise auch für Familienmitglieder, die gar nicht selbst anwesend waren. Denn in dem zeitlosen Raum der Aufstellung sind alle anwesend.

Durch das Aufstellen erfährt man etwas über sich, was sonst nur schwer zugänglich ist. Das gemeinsame Hervorbringen der Lösungsbewegungen durch alle Beteiligten im Schutz der Gruppe geht weit über das Therapeutische hinaus. Eine Aufstellung ist nur möglich, weil wir alle das Wirken der Unendlichkeit in uns tragen, weil wir gleichermaßen Zugang haben zur gemeinsamen Quelle des Seins, jetzt, hier, in diesem Körper.